Klettern an der Koburg

KletterBar an der Koburg – Offene Fragen an den Investor


Auf dieser Fläche will die Firma KletterBar mit Unterstützung des Alpenvereins Münster eine große Kletterhalle errichten.

Koburg. Klettern ist noch immer Trendsport. Überall im Land entstehen Alpinzentren. Auch auf dem Gelände der DJK-Sportschule an der Grevener Straße möchte der inzwischen dort ebenfalls ansässige Deutsche Alpenverein (DAV), Sektion Münster, möglichst bald ein Kletterzentrum errichtet sehen. Christoph Jöst, Stellvertretender Vorsitzender des DAV Münster, erläuterte auf Einladung der BI Uppenberg am Dienstagabend in der Zukunftswerkstatt den Planungsstand.

Nachdem die eignen Planungen des Alpenvereins an der Koburg, die unter anderem die Teilnutzung der DJK-Sporthalle als Kletterhalle vorsahen, nicht realisierbar erschienen, suchte und fand der DAV mit dem Unternehmen „KletterBar“ einen Partner, der in Offenbach, Hannover und Kiel schon Anlagen dieser Art betreibt.

Während die Vereinsaktivitäten des DAV die Unterstützung fanden, sahen insbesondere Anwohner das Bauprojekt des Investors kritisch. Einerseits befürchten die Bewohner im Quartier an der Prins-Claus-Straße erheblichen Parksuchverkehr und auch Lärmbeeinträchtigung durch das Kletterzentrum und andererseits beklagen Viertelbewohner den Verlust des fast 100 Jahre alten Großspielrasenfeldes in Uppenberg.

Christoph Jöst, Stellvertretender Vorsitzender der Saktion Münster des Deutschen Alpenvereins, besuchte die BI Uppenberg, um über die KletterBar-Pläne zu berichten.

Christoph Jöst erwartet im Kletterzentrum bis zu 45.000 Besucher jährlich, also durchschnittlich ein dreistellige Nutzerzahl täglich. Bei 160 Kletterern im Alpenverein Münster dürften demnach auch viele Besucher aus dem Münsterland und darüber hinaus erwartet werden. Diese dürften in der Regel mit dem PKW anreisen.

Neben den vorhandenen 68 Stellplätzen an der DJK-Sportschule sieht der erste Entwurf zusätzliche 88 Parkplätze auf dem Sportgelände vor. Dazu sollen die Leichtathletik-Anlagen komplett verschwinden und aus dem Fußballplatz sollen zwei Kleinspielfelder gemacht werden. „Vielleicht sogar mit Kunstrasen“, wusste Christoph Jöst zu berichten.

In der Diskussion kamen Zweifel an Gastronomiefreiheit des Projektes auf. Auch, weil einer der KletterBar-Geschäftsführer vor der Gründung der ersten Betreibergesellschaft 2014 mit seiner Erfahrung im „Outdoor- und Gastronomiebetrieb“ warb. „Die Immissionfrage scheint deshalb völlig offen“, so eine Nachbarin der Koburg: „In den anderen KletterBar-Anlagen werden auch Firmenevents – natürlich mit Catering – angeboten.“

Projektzeichnung der jüngsten KletterBar in Kiel. (Foto: KletterBar / Facebook)

Auch die Frage nach dem Außenkletterbereich, im jüngsten Projekt der KletterBar-Betreiber in Kiel ist diese Fläche deutlich größer als im Innenbereich, konnte nicht zufriedenstellend geklärt werden. „Die Bauvoranfrage ist gestellt“, wusste Christoph Jöst, so dass die BI Uppenberg sich nun an die städtische Verwaltung wenden will, um Informationen zu bekommen.

Nach Plan soll die Aschenbahn und der Gehweg zugunsten von bis zu 88 Parkplätze verschwinden.

„Der Alpenverein genießt unsere Unterstützung, wenn es um Klettern im Verein geht. Eine kommerzielle Klettereinrichtung – gerade an dieser Stelle – ist aber sehr kritisch zu sehen. Sie wäre in einem Gewerbegebiet sicherlich sinnvoller“, fasste Werner Szybalski, Sprecher der BI Uppenberg zusammen. Energisch sprach er sich für den Erhalt der vorhandenen Sportflächen an der Koburg aus: „Schon zu viele Sportstätten sind in den vergangenen Jahren in Münster ersatzlos weggefallen. Leider scheint aber bei der Stadt wenig Interesse, öffentliche oder vereinsgebundene Sportanlagen für die Menschen dauerhaft zu sichern.“

„Spaßbad“ statt Traglufthalle für das Freibad?

Münsters Jugendrat gegen Winterschwimmen in der Koburg

Der Jugendrat der Stadt Münster hat sich gegen die Erweiterung des Schwimmangebots im Winter im ehemaligen DJK-Freibad Koburg an der Grevener Straße ausgesprochen. Die kommunalen Jungparlamentarier halten „Erwerb einer Traglufthalle für die Koburg nicht für eine sinnvolle Investition“. Sie fordern weiterhin den Neubau eines Familien- und Freizeitbades in Münster. Ein solches „Spaßbad“ hatte die SPD Münster überraschend im Kommunalwahlkampf 2014 ins Gespräch gebracht.

Damit spricht sich der Jugendrat gegen die Forderung der Schwimm- und Wassersportvereine in Münster aus, die – nach eigener Darstellung – dringend auch im Winter ein 50-Meter-Becken für das Training benötigen würden. Die über Facebook organisierten „Freibad Coburg Fans“ wollten dem Beschluss der kommunalen Nachwuchspolitiker nicht zu viel Gewicht einräumen. Einer der Sprecher der Initiative, Marius Stelzer, erklärte gegenüber Uppenberger: „Der Jugendrat hat sich für ein Erlebnis- und Familienbad ausgesprochen und sieht eine Traglufthalle über dem Freibad Coburg kritisch. Wir schauen mal, wie die Fraktionen im Sportausschuss und die Öffentlichkeit sich dazu verhalten.“

Immerhin räumt der Jugendrat ein: „Die Traglufthalle wäre zwar eine mögliche Lösung für das Interesse der Schwimmsportler*innen an der ganzjährigen Nutzung einer 50-Meter-Bahn, wir halten es jedoch für sinnvoller, ein Schwimmzentrum zu schaffen, dass ein breiteres Publikum anspricht und den Interessen und Wünschen der Jugendlichen genauso gerecht wird, wie dem Wunsch der Sportler*innen.“ Die Zielgruppe von Familien und Jugendlichen würde bei der Gestaltung der Bäderlandschaft kaum beachtet, monieren die Jungpolitiker: „Eine Stadt mit mehr als 300.000 Einwohner*innen braucht nach unserer Auffassung ein für Jugendliche und Familien ansprechendes Schwimmbad.“

Die Verwaltung hatte am 27. November vergangenen Jahres in der Sitzung des Sportausschusses eine umfangreiche Tischvorlage mit Informationen zur Errichtung einer Traglufthalle vorgelegt. „Für besonders beachtenswert halten wir den geringen Komfort einer Traglufthalle, der den hohen baulichen und finanziellen der Errichtung einer Traglufthalle nicht rechtfertigt. Der geringe Komfort spiegelt sich auch in der Wassertemperatur wieder, die in der Traglufthalle geringer ist, als in einem normalen Hallenbad. Gegen die Errichtung der Traglufthalle spricht nach unserer Auffassung auch, dass sie keinen Mehrwert für den Schulschwimmbetrieb bietet, da damit ein erheblicher Mehraufwand für die Schulen verbunden wäre“, stellte der Jugendrat fest.

Alexander Bergenthal (l.) und Marius Stelzer sind die führenden Köpfe der Facebook-Gruppe Freibad Coburg Fans.
Alexander Bergenthal (l.) und Marius Stelzer sind die führenden Köpfe der Facebook-Gruppe Freibad Coburg Fans.

Die Koburg-Fans hatten nach der Sportausschusssitzung ein Dossier erstellt, dass sie auf einer öffentlichen Versammlung am 13. Dezember 2018 in der DJK-Sportschule vorstellten. Wenig verwunderlich, dass sie zu einem anderen Ergebnis kamen. Stelzer zeigte einen Weg auf, wie das Freibad Koburg auch mit geringeren Kosten für den allgemeinen Badebetrieb winterfest gemacht werden könnte. Unter anderem schlug er für die Funktionsräume eine Containerlösung vor, wobei er betonte: „Das muss baulich nicht öde aussehen.“ Als ein Beispiel findet sich im Dossier die Planungsabbildung für ein CVJM Kinder- und Jugendzentrum in Düsseldorf.

Planzeichnung des CVJM Kinder- und Jugendzentrum Düsseldorf. (aus dem Dossier der Freibad Coburg Fans)