Durchgangsverkehr umleiten

Wilhelmstraße: Verkehrsreduzierung auf der neuen Fahrradstraße

Klosterviertel. Die Wilhelmstraße zwischen Abzweig Einsteinstraße und Ring ist rund 550 Meter lang. In der Sitzung der Bezirksvertretung Münster-Mitte am 15. Januar 2019 wurde die Beschlussvorlage V/003/2019 behandelt. Sie sah vor, die Wilhelmstraße im genannten Bereich zu einer Fahrradstraße umzuwidmen.

Eine Fahrradstraße ist laut Wikipedia „eine für den Radverkehr vorgesehene Straße, genau betrachtet in der Regel deren Fahrbahn (nicht aber zum Beispiel Gehwege). Sie soll die Attraktivität des Radverkehrs steigern und Vorteile gegenüber dem Kraftfahrzeugverkehr schaffen.“ Eine solche Umwidmung der Wilhelmstraße schlug die Beschlussvorlage der Verwaltung vor.

In der Sitzung der Bezirksvertretung stellte Herr Grit Hecht vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung den Entwurf und eine von der Stadtverwaltung nicht favorisierte Reduktionsvariante (ohne Umbaumaßnahmen an den Einmündungen) vor. Maria Otte, 1. stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Fraktionsvorsitzende der SPD, sowie Bernd Mayweg (FDP) und Dr. Linus Tepe (CDU) bemängelten, der Vorschlag sei eine Einzelmaßnahme. Es fehle ein Gesamtkonzept.

Für die CDU-Fraktion beantragte deren Vorsitzender Karl-Heinz Hülsmann die Maßnahme in der Reduktionsvariante durchzuführen. Dies lehnte die Bezirksvertretung mit zwölf Nein-Stimmen (Bündnis 90/Die Grünen/GAL, SPD, Die Linke) bei sieben Ja-Stimmen (CDU, FDP) ab. Aber auch der Verwaltungsvorschlag fand keine Mehrheit, da die fünf SPD-Vertreter sich enthielten und nur die Grünen und der Linke Jonas Freienhofer (sieben Ja-Stimmen) dafür stimmten. Die sechs BV-Mitglieder der CDU und FDP-Vertreter Bernd Mayweg stimmten gegen die Umwidmung der Wilhelmstraße zu einer Fahrradstraße.

Der Durchgangsverkehr macht den Anwohnern und Radfahrern in der Wilhelmstraße mehr zu schaffen, als die vielen abgestellten PKW.

Die Wilhelmstraße ist in diesem Bereich eine Tempo-30-Zone. Laut Verwaltungsvorlage befahren gemäß Verkehrszählung vom Oktober 2017 in der Spitzenstunde zwischen 16 Uhr und 17 Uhr rund 200 Kraftfahrzeuge und 580 Radfahrer diesen Straßenabschnitt. Der Schwerverkehrsanteil läge bei rund einem Prozent. Die Bushaltestellen Röschweg und Peter-Wust-Straße in der Wilhelmstraße wurden schon aufgegeben. Die Busse umfahren das Wohnquartier nun auf der Einsteinstraße.

In seiner Stellungsnahme zur Verwaltungsvorlage begrüßte der ADFC Münsterland (Allgemeine Deutsche Fahrradclub), dass bei der Umwidmung der Wilhelmstraße in eine Fahrradstraße PKW-Parkplätze reduziert werden und drängte auf weitere
Maßnahmen, die den Durchgangsverkehr einschränken und Fahrradstraßen für den motorisierten Verkehr weniger attraktiv machen – für Radfahrende aber erhöhen. Das Mindeste wäre eine „Anlieger frei“-Regelung.

Zudem bemängelt der ADFC, dass eine Gesamtlösung, die am Neutor beginnen müsse und im Idealfall die gesamte Wilhelmstraße als Fahrradstraße ausweise, fehle. Auch die Verbindung zum Veloroutenkonzept der Stadt und der Bezug zur „potenziellen Fahrradstraße Hüfferstraße“ sollte gesehen werden. Sie sehen in der Planung ein Stückwerk, das „mit einer zukunftsorientierten Radverkehrsförderung“ wenig zu tun habe.

Inzwischen hat die Stadtverwaltung die Vorlage, die am 7. Februar im Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wohnen beschlossen werden sollte, zurückgezogen. Dies nimmt die Bürgerinitiative L(i)ebenswertes Uppenberg zum Anlass, um eine Anregung gemäß Paragraf 24 der NRW-Gemeindeordnung zu erarbeiten und nach der Diskussion mit der Anwohnerschaft an die Bezirksvertretung Mitte und den Rat der Stadt Münster zu geben. Kernpunkt des Vorschlags, der beim BI-Stammtisch am Dienstag, dem 12. März, ab 19 uhr mit allen Interessierten in der Zukunftswerkstatt (Schulstraße 45) vorgestellt und diskutiert werden wird, ist die Sperrung der Wilhelmstraße für den Durchgangsverkehr. Lediglich Fahrräder sollen die Wilhelmstraße in ihrer Gänze befahren können.

An der Kreuzung mit der Jahnstraße ist die Kinderhauser Straße für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. Diese Maßnahme wäre für die Wilhelmstraße ideal. In Höhe der Einmündungen Försterstraße und Jessingstraße könnte sie für den PKW-Durchgangsverkehr gesperrt werden. Die Ausweisung als Fahradstraße wäre nicht mehr zwingend nötig und die Anwohner würden von der geringenen Belastung durch Durchgangsverkehr profitieren.

In Höhe der Försterstraße und Jessingstraße könnte nach dem Vorbild der Sperrung der Kinderhauser Straße an der Kreuzung mit der Jahnstraße die Wilhelmstraße gesperrt werden. Der Verkehr aus Richtung Innenstadt würde über die Försterstraße zur Einsteinstraße gelenkt werden. Für die „ausgesperrten“ PKW-Durchfahrer würde sich der Weg mit dem Auto in die Innenstadt lediglich um 450 Meter verlängern.

Wie die Aufgabe der Buslinien durch die Wilhelmstraße gezeigt hat, dürfte dies also auch für PKW-Fahrer kein Problem sein. Sowohl die Anwohner, die verschiedene Möglichkeiten hätten, die Wilhelmstraße mit dem PKW zu verlassen, als auch der durchfahrende Radverkehr würden von dieser Fahrradstraße profitieren. Ein Umbau der Kreuzungen wäre zudem unnötig. In einer Detailplanung könnte dann – ebenfalls kostengünstig – die Parkregelung neu gestaltet werden (zum Beispiel Schrägparken und Fahrradabstellplätze auf der Fahrbahn).

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